Sonderausstellung “Wenn Handwerk zu Kunst wird“

Diese Sonderausstellung zeigt einige Kunstwerke von Klara Laufer-Meyer und Silvia Hagedorn-Schiess.

Klara Laufer-Meyer, Trachtenpuppen

Klara Laufer ist gebürtige Eglisauerin. Sie empfängt einen stets mit einem strahlenden Lächeln. In ihrem Wohnzimmer steht eine riesige Schrankvitrine, in der sich unzählige Trachtenpuppen präsentieren. Diese Trachtenpuppen möchten wir Ihnen nun im Ortsmuseum zeigen, denn nicht viele wissen von Klara Laufers früherem Hobby.

Auf die Frage, wie sie denn dazu gekommen sei Trachtenpuppen anzufertigen, antwortet sie: „Übers Meyers Modeblatt“. Älteren Leuten mag diese Zeitschrift, die sich an Frauen richtete, noch ein Begriff sein. Im „Meyers Modeblatt“ wurden Kurse zur Anfertigung von Trachtenpuppen ausgeschrieben. Diese Kurse fanden an verschiedenen Orten in der Schweiz statt, meistens in der Ostschweiz. Unter kundiger Anleitung von Schneiderinnen durften die Teilnehmerinnen während einer Woche jeweils eine Puppe in einer traditionellen Schweizer Tracht erstellen. Klara Laufer hat pro Jahr ein bis zwei Puppen geschaffen. Jede Tracht ist mit grosser Sorgfalt von Hand genäht und entspricht eins zu eins dem Original einer bestimmten Schweizer Tracht. Drapierte Falten und Rüschen sitzen perfekt. Die Gesichter, ob aus Porzellan oder Stoff, sind selbst bemalt, die Strümpfe selbst gestrickt. Die Puppen tragen sogar echten Silberschmuck.

Nun treten diese Puppen in ihrer ganzen Pracht zum ersten Mal aus ihrer Stube heraus.

Silvia Hagedorn-Schiess, Gestickte Bilder

Silvia Hagedorn wird 1929 in Herisau geboren. An der Frauenarbeitsschule St. Gallen lässt sie sich zur eidg. dipl. Handarbeiterin im Textilbereich ausbilden. Mit 18 Jahren verlässt sie das Elternhaus, um in Zürich eine Stelle beim Schweizer Heimatwerk anzutreten. Dort wird sie für den Entwurf von Stickereien an Nutztextilien verantwortlich sein. An ihrem freien Arbeitstag besucht sie Kurse bei Elsi Giauque an der Kunstgewerbeschule Zürich. Es folgt ein Auslandaufenthalt in England. Zurück in Zürich findet sie eine Anstellung im „Kolibri“, einem Handarbeitsgeschäft an der Uraniastrasse. Nach ihrer Heirat absolviert sie eine zweijährige Ausbildung zur Textilgestalterin an der Kunstgewerbeschule Zürich. Nach und nach kommen drei Kinder zur Welt und für die nächsten 15 Jahre wird der Alltag mit Erziehungsarbeit besetzt sein. Den Anschluss an den erlernten Beruf wieder zu finden, wird fast unmöglich. Die Entwicklung in der Textilkunst ist in der Zwischenzeit massiv fortgeschritten.

Ein Besuch im Landesmuseum über mittelalterliche Leinenstickerei in Klöstern wird für sie zur Offenbarung: So möchte sie arbeiten, sie möchte Bilder sticken! In der Leinenstickerei findet sie ihre neue Passion. Das Arbeiten mit Leinenstoff und Leinengarn erlebt sie als beglückend. Die Aussagekraft dieser Materialien scheint ihr unbegrenzt. Das starke Leinengarn bringt die Dreidimensionalität ideal zum Ausdruck.

Auf Reisen mit ihrem Mann ist Silvia Hagedorn stets auf der Suche nach Material für ihre Arbeiten.

Während den ersten gestickten Bildern noch skizzierte Entwürfe voraus gehen, so wie sie es an der Schule gelernt hat, wird diese Arbeitsweise zunehmend zur Blockade. Intuition wird wichtig. In einem konzentrierten Hineinhorchen nach inneren Bildern beginnt sie ihre Gedanken mittels Fäden, Steinen oder auch gepressten Blättern direkt auf den Stoff zu transponieren. Ganze Lebensthemen kann sie so in ihren Applikationen verarbeiten.

Man muss die Arbeit von Silvia Hagedorn nicht mehr vorstellen. Ihre Werke sind durch viele Ausstellungen bekannt geworden und nun in öffentlichem oder privatem Besitz.

Ein Büchlein zur Anleitung und Technik der Leinenstickerei, welches 1979 im Frech-Verlag in Stuttgart erscheint, findet eine enorme Verbreitung. Es wird dreimal aufgelegt und auch ins Englische übersetzt. Dieses grosse Echo öffnet ihr darauf den Weg zu zahlreichen Kursen als Sticklehrerin im In- und Ausland.

Der Bildband „Spät-Werk“, zeigt ihre letzten Arbeiten.